»Wenn man tot ist, sieht man nicht und hört man nicht. Ich lebe also.« So lautet der grandiose erste Satz, den Maria Lazar für »Zwei Soldaten« wählte – ein gedoppelter Monolog zweier verletzter Soldaten im Schützengraben von trauriger Aktualität. Im Nachlass Maria Lazars, der uns erfreulicherweise nach und nach zugänglich gemacht wird, fand sich dieses dünne Manuskript, für dessen Drucklegung wir dem Verlag »Das vergessene Buch« danken!
21. März 2025
Graham Greene »Unser Mann in Havanna«. Oder: Einen Roman 40 Jahre später nochmals lesen.
Solch eine Relektüre ist immer ein riskantes Unterfangen. Oft folgt die Enttäuschung, manchmal jedoch die Erkenntnis, dass man in jungen Jahren zwar etwas verstanden hat, aber dieses ›Etwas‹ kaum mehr ausmacht, als – sagen wir mal: – die Staubsaugerdüse eines eben erst lancierten hypermodernen Staubsaugers.
Anna Mitgutsch »Unzustellbare Briefe«. Oder: Über die Sehnsucht nach einem Menschen.
»Um in der Literaturszene Erfolg zu haben, brauchst du jemanden, der Einfluss hat und an dich glaubt, und du hast niemanden.« (S. 159) Sätze wie diese treffen einen (als Autorin?), da sie das Ringen um persönliche Sichtbarkeit explizit ansprechen, welches uns Menschen eigen ist. Warum können wir nicht in aller Gelassenheit davon ausgehen, dass jemand an uns glaubt? »Unzustellbar Briefe« erzählt von Bezügen zu Menschen, die unser Leben prägten.
Zeitgenössische Literatur · 15. November 2024
Leonardo Paduras »Anständige Leute«. Oder: Wie sich das Schreiben eines Autors über die Jahre veränderte. Ein Einblick ohne Anspruch auf Vollständigkeiten.
Bevor ich »Anständige Leute« zu lesen begann, beschäftigte ich mich einen Sommer lang erneut mit dem sogenannten Havanna Quartett Paduras – drückend heiß war es, ich jeden Nachmittag im Schwimmbad und Erinnerungen an Kuba keimten in meiner Arbeit, was lag also näher, als mir dieses Vergnügen zu gönnen?
Klassiker der Weltliteratur · 20. September 2024
Colette: Erwachende Herzen. Oder: Der Übersetzungstitel ist ein Schmarren. Ohne Kaiser und Rosinen.
Ähnlich wie in Hesses »Heumond« (Vgl. dazu den Beitrag in der #Mitlese) wird auch in Colettes Roman »Le Blé en Herbe« die Geschichte einer ersten erwachenden Liebe erzählt. Nur auf recht andere Art! (Verwendetes Titelbild: Colette in Rêve d’Égypte (1907; Photo von Léopold-Émile Reutlinger, gemeinfrei)
Klassiker der Weltliteratur · 30. Juli 2024
Der Debütroman Marianne Fritz’ ist ein wahrer Türöffner, und ich lege gerne und aus Überzeugung die Hand auf seine Klinke. (Wie schön! Ich wollte schon immer einmal das Wort ›Türöffner‹ uneingeschränkt positiv nutzen, ohne dass es einen Ausschluss bedeutet: Hier geht es! Öffnen wir also das Portal zu Marianne Fritz’ Denkwelten:)
Oskar Jan Tauschinksi »Tamil«. Oder: eine überzeugte Leseempfehlung
Man kennt diesen Autor dem Namen nach: als Nachlassverwalter Marlen Haushofers, als engagierter Kollege für das Werk Helene Lahrs, als Freund Alma Johanna Königs, kaum jedoch als eigenständigen Literaten, der lesenswerte Erzähluniversen schuf. Ein Faktum, das sich dringend ändern sollte.
Klassiker der Weltliteratur · 17. Mai 2024
Sackville-West, Vita; Harold Nicholson: In der Ferne so nah. Oder: die literarische Hausapotheke, anzuwenden bei Gereizt, Genervt
Zwei beeindruckende Persönlichkeiten, ein Briefwechsel und eine Beziehung, die ein Leben lang trägt.
Literatur & Politik · 22. März 2024
Maria Gleit »Abteilung Herrenmode«. Oder: das Warenhaus im Roman.
Maria Gleit »Abteilung Herrenmode«. Oder: das Warenhaus im Roman.
Klassiker der Weltliteratur · 01. März 2024
Literarische Porträts zu schaffen, die Lesende berühren, selbst wenn sie keinen Bezug zu den darin dargestellten Menschen haben, das ist Kunst. Selbst die Welt, die hier thematisiert wird, ist mehrheitlich Vergangenheit. Und im Hinblick auf manche Episoden möchte ich sagen: Gut so.

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