»Wenn man tot ist, sieht man nicht und hört man nicht. Ich lebe also.« So lautet der grandiose erste Satz, den Maria Lazar für »Zwei Soldaten« wählte – ein gedoppelter Monolog zweier verletzter Soldaten im Schützengraben von trauriger Aktualität.
Im Nachlass Maria Lazars, der uns erfreulicherweise nach und nach zugänglich gemacht wird, fand sich dieses dünne Manuskript, für dessen Drucklegung wir dem Verlag »Das vergessene Buch« danken!
21. März 2025
Solch eine Relektüre ist immer ein riskantes Unterfangen. Oft folgt die Enttäuschung, manchmal jedoch die Erkenntnis, dass man in jungen Jahren zwar etwas verstanden hat, aber dieses ›Etwas‹ kaum mehr ausmacht, als – sagen wir mal: – die Staubsaugerdüse eines eben erst lancierten hypermodernen Staubsaugers.
»Um in der Literaturszene Erfolg zu haben, brauchst du jemanden, der Einfluss hat und an dich glaubt, und du hast niemanden.« (S. 159) Sätze wie diese treffen einen (als Autorin?), da sie das Ringen um persönliche Sichtbarkeit explizit ansprechen, welches uns Menschen eigen ist. Warum können wir nicht in aller Gelassenheit davon ausgehen, dass jemand an uns glaubt? »Unzustellbar Briefe« erzählt von Bezügen zu Menschen, die unser Leben prägten.
Bevor ich »Anständige Leute« zu lesen begann, beschäftigte ich mich einen Sommer lang erneut mit dem sogenannten Havanna Quartett Paduras – drückend heiß war es, ich jeden Nachmittag im Schwimmbad und Erinnerungen an Kuba keimten in meiner Arbeit, was lag also näher, als mir dieses Vergnügen zu gönnen?
Ähnlich wie in Hesses »Heumond« (Vgl. dazu den Beitrag in der #Mitlese) wird auch in Colettes Roman »Le Blé en Herbe« die Geschichte einer ersten erwachenden Liebe erzählt. Nur auf recht andere Art!
(Verwendetes Titelbild: Colette in Rêve d’Égypte (1907; Photo von Léopold-Émile Reutlinger, gemeinfrei)
Der Debütroman Marianne Fritz’ ist ein wahrer Türöffner, und ich lege gerne und aus Überzeugung die Hand auf seine Klinke. (Wie schön! Ich wollte schon immer einmal das Wort ›Türöffner‹ uneingeschränkt positiv nutzen, ohne dass es einen Ausschluss bedeutet: Hier geht es! Öffnen wir also das Portal zu Marianne Fritz’ Denkwelten:)
Man kennt diesen Autor dem Namen nach: als Nachlassverwalter Marlen Haushofers, als engagierter Kollege für das Werk Helene Lahrs, als Freund Alma Johanna Königs, kaum jedoch als eigenständigen Literaten, der lesenswerte Erzähluniversen schuf. Ein Faktum, das sich dringend ändern sollte.
Zwei beeindruckende Persönlichkeiten, ein Briefwechsel und eine Beziehung, die ein Leben lang trägt.
Maria Gleit »Abteilung Herrenmode«. Oder: das Warenhaus im Roman.
Literarische Porträts zu schaffen, die Lesende berühren, selbst wenn sie keinen Bezug zu den darin dargestellten Menschen haben, das ist Kunst. Selbst die Welt, die hier thematisiert wird, ist mehrheitlich Vergangenheit. Und im Hinblick auf manche Episoden möchte ich sagen: Gut so.